Phytologie (Phytotherapie) Pflanzenheilkunde


Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), oder auch "Heilkräutertherapie" genannt, ist wohl eine der ältesten Heilverfahren die wir kennen und für jeden Naturheilkundler unentbehrlich. Unter Phytotherapie, aus dem Griechischen "phyton" Pflanze und "therapeia" Pflege, versteht sich die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten durch Pflanzen, Pflanzenteilen und deren Zubereitungen. Störungen des Befindens wie Nervosität werden mit pflanzlichen Präparaten behandelt.

Über Jahrtausende haben sich Sonderformen entwickelt, die einen wichtigen Bestandteil in der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) und der Ayurvedischen Medizin in Indien bilden.

Die Phytotherapie ist wie die Homöopathie eine spezielle ganzheitliche Therapierichtung. Anders als in der Homöopathie jedoch lässt sich die Wirkungsweise der Heilkräuter innerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbildes erklären. Der wichtigste Unterschied ist die Dosis-Wirkung-Beziehung, d.h. je höher in der Phytotherapie die Dosis, desto stärker ist auch die Wirkung.

Die Phytotherapie gehört mit zu den ältesten Medizinlehren überhaupt. Bereits vor mehr als 3000 Jahren wurden in China und Indien Krankheiten mit Hilfe von Heilpflanzen behandelt. Heilpflanzen wurden auch in allen so genannten Hochkulturen (Ägypter, Inka, Maya) eingesetzt und waren die wichtigsten Heilmittel bis zum Beginn unseres Jahrhunderts.

In unserem Kulturkreis war der Grieche Diokles von Karytos der erste, der um 350 v. Chr. die Zubereitung und Anwendung von Pflanzen des östlichen Mittelmeerraumes beschrieb.

Der so genannte Urvater der Medizin, Hippokrates (460 - 377 v. Chr.), gab bereits in seinen Schriften Anleitungen beim Sammeln von Heilkräutern alle Sinne und auch das Gefühl einzusetzen.

Das rationale Wissen über Heilpflanzen der damaligen Zeit wurde vom ersten großen Kräuterbuchautor Pedanios Dioscorides (1. Jh. N. Chr.) zusammengefasst. Über 800 Heilpflanzen wurden so detailliert beschrieben, dass Generationen von Kräuterbuchschreibern von ihm abschrieben.

Aus der Fülle der Kräuterbücher des frühen Mittelalters ragten die Werke von Hildegard von Bingen (1098 - 1179) heraus.

Als einer der genialsten Ärzte überhaupt wird immer wieder Paracelsus genannt (1493 - 1541, Theophrastus Bombastus von Hohenheim). Einen sehr großen Bereich seiner Heilmethoden nahm der Bereich Kräuterheilkunde ein. Zwei wichtige Leitsätze für die Kräuterheilkunde wurden von Paracelsus geprägt. So sind die Aussprüche "ubi malum, ibi remedium", was so viel heißt wie " deine Wiesen und deine Matten sollen deine Apotheken sein" und "Solum dosis fecit venenum" , was bedeutet "Die Dosis macht das Gift" von ihm.

Die beiden Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 - 1897) und Kräuterpfarrer Künzle (1857 -1945) konnten ebenfalls dazu beitragen, dass die Kräuter nicht in Vergessenheit geraten.

Heutzutage ist die Kräuterheilkunde geprägt von dem Namen Dr. Rudolf Fritz Weiß (1895 - 1991). Sein "Lehrbuch der Phytotherapie" ist in vielen Auflagen erschienen. Weiß war auch der Begründer des ersten Lehrstuhls für Phytotherapie in Deutschland. Sicherlich ist ihm zu verdanken, dass die Kräuterheilkunde auf eine wissenschaftliche Ebene gebracht wurde und auch in der Schulmedizin eine gewisse Anerkennung finden konnte.

Über Jahrhunderte hinweg waren Kräuter die einzige Medizin, die jeweils in der Region vorkam.

Zumeist wurde das Wissen über die Kräuterpflanzen von Generation zu Generation in den Familien weitergegeben. Es umfasste ihre Wirkungsweisen, die Anwendungsarten aber auch ihre Gefährlichkeit.

Zunehmend spezialisierten sich die Menschen jedoch und überließen das Wissen immer mehr den Spezialisten, den Medizinern und den Kräuterfrauen, die allerdings bei un-günstigem Krankheitsverlauf schnell zu Hexen, Zauberern u.ä. abgestempelt wurden.

Als dann die Chemie Einzug hielt und die Medizin moderner wurde, verlor man mehr und mehr den Glauben an die Heilkraft der Natur. Nach und nach wird sich jedoch wieder auf das alte und bewährte Wissen zurückbesonnen.

In der Phytotherapie werden die Pflanzen als Frischpflanzen, als Drogen oder als Extrakte, die auch zu Tees, Kapseln, Tropfen oder Salben weiterverarbeitet werden können, eingesetzt. Es gibt jedoch hinsichtlich der Wirksamkeit bei den einzelnen Pflanzen wie auch bei den Präparaten große Unterschiede. Generell jedoch haben pflanzliche Präparate ein breites Wirkungsspektrum und weniger Nebenwirkungen als synthetische Medikamente.

Heute werden nur die Kräuter eingesetzt, die in Form von Tees, Tinkturen, Pulvern, Kapseln etc. überprüft wurden und so, anders als bei selbst gesammeltem Material, garantieren, dass sie rückstandfrei und in heilsamer Wirkstoffmenge vorliegen.

Gerade bei häufig auftretenden Problemen der Verdauung, der Haut, der Atemwege um. können Kräutergaben unseren Tieren schnell und einfach helfen wieder natürlich gesund zu werden.

Wundermittel sind Heilpflanzen oder daraus hergestellte Präparate sicherlich nicht. Meistens wirken sie auch nicht schnell, sondern entfalten ihre Wirkung erst nach mittelfristiger oder langfristiger Einnahme. Häufig werden hier die Selbstheilungskräfte des Organismus angeregt. Heilpflanzen stellen eine "sanfte Medizin" dar und eignen sich hervorragend zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Erhaltung der Gesundheit.

Allerdings sollte auch mit heimischen Heilpflanzen bei der Selbstbehandlung sehr vorsichtig umgegangen werden, da viele eingesetzte Pflanzen durchaus giftig sein können oder bei falschem Einsatz oder Dosierungen starke und unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können. Man sollte sich stets in die Hände eines sachkundigen Therapeuten begeben.

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